Ein teuflischer Vertrag…

lesenslust über „Der Schrecksenmeister“ von Walter Moers

 

WAS GEWESEN UND GEGANGEN
SOLL JETZT WIEDER NEU ANFANGEN
WAS GEGANGEN UND GEWESEN
SOLL IM WUNDERSUD GENESEN
SOLL IM TOPFE WIEDERKEHREN
UM DIE ALCHIMIE ZU EHREN.

 

~*Oben ist UNTEN und hässlich ist SCHÖN*~

Stell dir vor, es gäbe eine Stadt, in der das Gesunde krank und das Kranke gesund werden würde. In ihr würde es die wohl mit Abstand unmöglichsten & abstoßendsten Krankheiten wie etwa Hirnhusten, Darmschnupfen oder gar Magenmumps geben.

Bei einem Spaziergang durch die Straßen würde sich ein eiternder & brechreizfördernder Gestank in deiner Nase breit machen und die Töne von schrecklichem Gewimmer & unerträglichem Geröchel würden sich in deine Ohren schleichen. Die Luft dort wäre bereichert von der Einzigartigkeit verschiedenster Bakterien und Krankheitserreger, die in der Luft schwebend ständig auf der Suche nach neuen Opfern wäre. Die Einwohner dieser Stadt würden nicht leben, sondern förmlich dahinvegetieren. Ein reinstes Moloch voll von Angst, Trauer, Schrecken und Tod.

Nun ja, dann – ja genau dann, wenn du dir all dies Übel in einer Stadt vorstellen kannst und sie ganz dicht vor deinem Auge entdeckst, dann bist du in Sledwaya, dem wohl krankesten Ort in ganz Zamonien, angekommen.

Und in dieser Stadt lebt in jener Zeit Echo, ein kleines Krätzchen. Für alle Nichtsahnenden erscheint Echo wie ein gewöhnliches Kätzchen. Er besitzt jedoch die zamonische Gabe, sprechen zu können und im stolzen Besitz zweier Lebern zu sein.

Nachdem Echos Frauchen stirbt ist das kleine Krätzchen hilflos und alleine. Die neuen Besitzer des Hauses wollen es loswerden und setzen es kurzer Hand auf die Straße. Echo sitzt nun da…abgemagert, dreckverschmiert und armselig…als ein metallisches klappriges Geräusch sich schon von weitem ankündigt…es gehört dem berüchtigtem und allseits gehasst wie gefürchteten Stadtschrecksenmeister Succubius Eißpin.

Er verkörpert den Alptraum in Person. Sein Anblick erinnerte einen an den einer wandelnden Vogelscheuche, von dem giftig galligen Geruch, der ihm meilenweit vorauseilte, mal ganz abgesehen. Bis auf eine Schreckse hatte er alle Schrecksen erfolgreich gejagt und aus der Stadt vertrieben. Seine Präsenz ist allgegenwärtig, die Stadt steht unter seiner Fuchtel!

Was jedoch genau diese schreckliche Kreatur dazu bewegen wird,  Echo in seine Obhut zu nehmen muss nun herausgefunden werden…

~*Die Magie zamonischer Schrecksenschreibkünste*~

Es gibt Romane, die sind so phantastisch und zugleich in so realer Art und Weise erzählt, dass es dem Leser erscheint, er wäre eben erst von einer Reise zurückgekehrt. Zu diesen zähle ich Moers Vorgängerromane „Rumo & die Wunder im Dunkeln“ sowie „Die Stadt der träumenden Bücher“.

Dann wiederum gibt es Romane wie diesen, die mir das Abgeben eines Fazits sehr schwierig gestalten.

Moers unumstrittenes Erkennungsmerkmal ist seine detailgetreue und zu Wortneuschöpfungen neigende Art des Schreibens, die ich in all seinen Vorgängerromanen so lieb gewonnen habe. Ob es die mannigfaltige Aufzählung von Farbtönen, die überaus reichhaltige Kreaturbeschreibung der schier unendlich existierenden Wesen Zamoniens oder die facettenreiche Umschreibung von Eigenschaften war, Moers überraschte mich immer mit einer Explosion an immer raffinierteren und noch außergewöhnlicheren Wortneuschöpfungen, dass ich immer total überwältigt war.

Heute, zum ersten Mal, wich Moers von dieser gewohnten Schreibweise ab. Ob gewollt oder ungewollt: etwas anderes übernahm die Leitrolle. Es war ein Hang zu Gefühlvollerem und Unbekanntem. Interessant – aber auf mich nicht ganz so euphorisch wirkend wie bisher.

Die Beschreibungen von Sledwaya, der dort herrschenden Krankheiten, der Kreaturen & Ereignisse dieser Geschichte sind wie immer durchaus kreativ. Meine Erwartungen nach dem Lesen des Klappentextes waren jedoch weitaus gruseliger, spannungsgeladener und grausamer als die Geschichte selbst.

Vielleicht bin ich mittlerweile schon von all den harten und ausschmückenden Beschreibungen aus den Vorgängerromanen abgehärtet, dass mir die Beschreibungen hier um ein vielfach humaner erschienen. Kann sein, muss aber nicht!

Auch wenn Moers den Verzicht der „Mythenmetzschen Abschweifungen“ erklärt und die Gründe mir logisch erscheinen, war ich doch etwas enttäuscht, keine einzige vorzufinden. Obwohl sie oft lang und nervenraubend waren, hatten sie stets  eine gute Portion Witz und Humor im Schlepptau. Die Unterhaltung wurde hierdurch stets um ein Vielfältiges gesteigert. An Illustrationen hat es mir in diesem Roman leider auch etwas gemangelt. Verglichen mit der Anzahl der Vorgänger-Illustrationen findet man hier nur eine kleine zurückhaltende Anzahl.

Die Geschichte ist gut strukturiert, interessant und beinhaltet einige unerwartete Verläufe, die die Geschichte stets in Spannung halten. Sie ist liebevoll & herzlich.

Das Buch las sich wie immer sehr flüssig und die Seiten verflogen wie im Nu. Eine Verknüpfung zum Kontinent Zamonien sucht man allerdings in seinem neuen Roman vergebens. Der bei seinen treuen Lesern so liebgewonnene Kontinent bleibt hier etwas außen vor. Man muss sich wohl auf den nächsten Roman vertrösten!

Ein Kommentar zu „Ein teuflischer Vertrag…

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