Liebe des Lebens…

lesenslust über „Haruki-Murakami – Gefährliche Geliebte

Pretend you´re happy when you´re blue
It isn´t very hard to do

aus dem Song „Pretend“ von Nat King Cole

Tokio.

Es ist die Geschichte von Hajime (japanisch für Beginn) und Shimamoto.

Beide sind Einzelkinder und fühlen sich deshalb nicht als Ganzes. Nur dann – wenn sie zusammen auf dem Sofa sitzen und sich gemeinsam Schallplatten anhören – können sie sie selbst sein, nur dann – scheint ihre Welt in Ordnung, nur dann – können sie leben.

Hervorgerufen durch den Respekt, den sie sich gegenseitig schenken gleiten sie zu einem Song wie „Pretend“ von Nat King Cole stets dahin im schimmernden Licht der Klänge umgeben von Shimamotos Lächeln.

Shimamoto ist Hajimes erste wirkliche Liebe. Eine junge Liebe. Doch von ungeheurer Kraft, Wahrheit und gegenseitigem Verständnis.
Nur bei ihr schafft er es, sich zu öffnen, weil sie ihn so nimmt, wie er ist, ihn versteht und ihm Zuflucht schenkt.

Mit 12 Jahren verlieren sie sich aus den Augen – doch sie vergessen einander nie!

Allein fühlt er sich schwach. Er lernt Izumi kennen und beginnt eine Beziehung mit ihr.
Ein Ersatz? Es scheint wie ein Kompromiss, den er sich selbst zu geben scheint, weil er Shimamoto nicht mehr hat.
Doch kann er Izumi wirklich lieben? Oder ist es möglich, dass er ihr mit seinem bloßen Sein irreparablen Schaden zufügt, weil er ihr nicht das gibt, was sie braucht?

Letztendlich betrügt Hajime Izumi mit ihrer Cousine und alles zerbricht. Besonders Izumis Welt.

Viele Jahre später.

Mit 30 Jahren heiratet er Yukiko. Keine Schönheit auf den ersten Blick, doch ihre innere Schönheit fasziniert ihn. Sie bekommen zwei Kinder und dank der Unterstützung ihres Vaters bekommt Hajime die Möglichkeit sich als geschickter Unternehmer unter Beweis zu stellen. Er eröffnet eine Jazz-Bar mit großem Erfolg. Bald eine zweite und es scheint, als liefe sein Leben nun endlich in geordneten Bahnen.

Doch eines Tages taucht Shimamoto wie eine Halluzination in seiner Bar auf. Unfassbar und geheimnisvoll.
Und auch eine veränderte Izumi erkennt er eines Tages auf der Straße.

Plötzlich ist da wieder der Hajime von damals und seine Welt gerät aus den Fugen.

Durch ihre Begegnungen wird ihm bewusst, welchen Einfluß er auf ihr Leben hatte und wie er es geprägt hat. Durch die Taten eines Menschen zerstört man womöglich das Leben eines anderen!

Er verliert sich in Tagträumereien und der Sehnsucht nach Shimamoto. Er sehnt sich förmlich nach den Besuchen Shimamotos in seiner Bar und den gemeinsamen Gesprächen.
Er sehnt sich so sehr nach ihr, dass er seine Frau und Kinder anfängt zu vernachlässigen.

Von nun an schlittert er nur so dahin in Begleitung von Regen, Nebel und schwarzen Nächten. Der Höhepunkt dieses tranceartigen Seins endet in einer leidenschaftlichen Nacht mit Shimamoto. Sie gibt ihm alles, sie nimmt sich alles und er entscheidet für sie alles aufzugeben!

Doch am nächsten Morgen ist sie weg. Er sieht sie nie wieder!

Wo befindet er sich nun ohne sie…

~**~Meine Meinung~**~

Dieses Buch war definitv keine leichte Kost für mich.

Haruki Murakami befasst sich wie kein anderer mit all den geheimnisumwobenen, selbstzweifelnden und zerstörerischen Fragen, die man sich während seines Lebens stellen kann. Er nimmt uns auf eine Reise mit. Eine Reise, die gespickt ist von der Wahrheit, der Schönheit in den kleinen Dingen und auch von Selbstzweifel, Hass und Abhängigkeit.

Doch es war nicht der Schreibstil, der mir das Lesen schwer machte. Denn die Geschichte an sich war ganz locker zu lesen. Es war vielmehr die Weise des Schreibens. Hinter die Gedanken Murakamis zu kommen war viel ausschlaggebender. Ihnen die verdiente Aufmerksamkeit und Bedeutung zu schenken, sodass man den wahren Sinn verstand.

Niemals zuvor hab ich mir ernsthafte Gedanken über manche Folgen von Taten gemacht. Noch nie eine Geschichte so verinnerlicht, dass sie mir dermaßen klar im Gedächtnis bleibt.

Ich bewundere Murakamis Talent und verstehe nun, warum seine poetische und lebenshinterfragende Literatur in Japan so hochgelobt wird.

Dass ich all seinen Gedanken das nötige Verständnis und die volle Intensität geschenkt habe und ich mich auf seiner Ebene des Denkens befand wage ich zu bezweifeln.

Ich habe nun eine ehrliche, berührende und schockierende Geschichte hinter mir, die mich in höchstmögichem Grad unterhalten und überzeugt hat.

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