Träumende Bücher…

lesenslust über „Walter Moers – Die Stadt der träumenden Bücher“

„Hier fängt die Geschichte an.“


„Sie erzählt, wie ich in den Besitz des Blutigen Buches kam und das Orm erwarb. Es ist keine Geschichte für Leute mit dünner Haut und schw achen Nerven – welchen ich auch gleich empfehlen möchte, dieses Buch wieder zurück auf den Stapel zu legen und sich in die Kinderbuch-Abteilung zu verkrümeln.
Husch, husch, verschwindet, ihr Kamillenteetrinker und Heulsusen, ihr Waschlappen und Schmiegehäschen, hier handelt es sich um eine Geschichte über einen Ort, an dem das Le sen noch ein echtes Abenteuer ist!“

 

~**~Man sagt, Bücher können alles , sogar töten…~**~

Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz lebt auf der Lindwurmfeste.

Lindwürmer sind Drachen und Hilde gunst zählt bisher ein noch „j un ges“ Alter von 70 Jahren. Sein Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler konnte man mit seinen mehr als 800 Jahren schon als Lindwurmfeste-Urgestein bezeichnen.

Als der stirbt, erbt er von ihm ein Manuskript von einer derartigen Makellosigkeit, dass es den Leser in eine Reihe ungewöhnlich er Gemütsschwankungen versetzt.
Vom Zustand fiebriger Ausgelassenheit…in hysterisches Lachen…vor Begeisterung mit den Füßen trampelnd…im nächsten Moment aber schluchzend & tränenüberstr ömt…weitere Lachkrämpfe folgend…endend mit einer
beängstigenden Kälte und Trostlosigkeit.

Da ihm sein Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler am Sterbebett nahegeleg t hat, dem Geheimnis dieses Manuskriptes & dessen Schreibers auf den Grund zu gehen macht er sich also auf nach Buchhaim, der Stadt der träume nden Bücher.
Als Hildegunst Buchhaim betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Die Stadt ist erfüllt vom anregenden Aroma von altem Leder und dem scharfen intelligenten Parfum von Druckerschwärze.

Er wird vom Sog der buchverrückten Stadt in die unterirdischen Labyrinthe befördert und findet sich auf seinem Weg in den obskurresten , verrücktesten, gefährlichsten & atemberaubensten Situationen wieder und lernt eine Menge unterschiedlichster Lebewesen kennen, wie die gefährlichen Bücherjäger & die „schrecklichen“ Buchlinge und entdeckt die Welt des sagenumwobenen Schattenkönigs.

Wer glaubt, ein Buch kann man einfach nur lesen, der irrt gewaltig, denn es vermag zu viel mehr als das…

In tiefen, kalten, hohlen Räumen
Wo Schatten sich mit Schatten paaren
Wo alte Bücher Träumen träumen
Von Zeiten, als sie Bäume waren
Wo Kohle Diamant gebiert
Man weder Licht noch Gnade kennt
Dort ist´s, wo jener Geist regiert
Den man den Schattenkönig nennt

~**~Mein Eindruck~**~

Das Cover des Buches war mir bereits seit geraumer Zeit bekannt. Es zog mich quasi magisch an. Jedes Mal wenn ich eine Buchhandlung betrat, drängte es sich in mein Blickfeld – fast so, als zwang es mich förmlich zu seinem Kauf.

Da ich bei vielen anderen Lesern eine Begeisterung für Walter Moers´Romane vernommen hatte, wollte ich dem unbedingt selbst auf den Grund gehen. Ich schnappte mir also beim nächsten Besuch in der Buchhandlung das Buch und begann schon kurz darauf in der Bahn mit dem Lesen.

Bereits nach den einleitenden Worten, die auch ihr am Anfang lesen konntet, war es wie um mich geschehen.
Ich zog eine Einladung, eine Einladung das Buch zu lesen und zugleich eine Warnung, für all diejenigen, die sich einem Abenteuer wie diesem nicht gewachsen fühlen. Ich entschied mich für die Einladung und sie beförderte mich direkt in die Geschichte –  in das Abenteuer von Hildegunst von Mythenmetz.

Anfangs benötigt man zugegeben etwas Zeit, um sich auf die Geschichte einzulassen. Es ist keine Geschichte, die einem bereits vertraut ist, es ist eine Geschichte, die in einer ganz anderen Welt spielt. Voller merkwürdiger Kreaturen und Phantasiewesen, die an den ausgefallensten Orten leben.

Genau DAS ist aber Walter Moers´ einzigartige Begabung.

Er besitzt einen wahnsinnig fesselnden Schreibstil. Er schaffte mit diesem Buch eine großartige Phantasie-Welt mit den wohl verrücktesten Figuren. Wie ein Feuerwerk voller Emotionen, Witze, aber auch Ängste und großartiger Eindrücke.
Er flachst eben noch rum und im nächsten Moment macht er eine Exkursion in die Welt der Literatur. Die Geschichte ist spannungsgeladen und im nächsten Moment wieder fröhlich und ausgelassen. Man meint eben noch, man weiß, wie eine Situation ausgeht und auf der nächsten Seite wird man total überraschend vom Gegenteil überzeugt.

Und zu alledem illustriert er sein Meisterwerk noch selbst. Alle Zeichnungen, die man im Buch findet, stammen von ihm. Sie ermöglichen fast schon, sich in einer Art Film wiederzufinden. Es ist nicht nur eine Erzählung sondern auch eine Anreihung von skurrilen & kreativen Illustrationen, die wie eine Art Bildergalerie den Roman begleiten.

Und obwohl „die Stadt der träumenden Bücher“ der 4.Teil der Zamonien-Reihe ist, kann man dieses Buch ohne weiteres als alleinstehendes Werk lesen und verstehen. Man findet immer wieder Randbemerkungen, die den bisher Unerfahrenen aufklären und auf andere Werke verweisen.

Mit diesem Roman hat es Walter Moers erstmalig geschafft, dass ich mich nach seinen Geschichten sehne.

3 Gedanken zu “Träumende Bücher…

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