Die Botschaft einer Katze..

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lesenslust über “Cabo de Gata” von Eugen Ruge

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“Ich erinnere mich an die Verzweiflung und an die Wut, die ich dabei empfand, denn in Wirklichkeit (…) ging es darum, dass ich meine Gewohnheiten über den Haufen warf, dass ich ein unausweichliches Ritual durchkreuzte, dass ich im Begriff war, die mir selbst auferlegte Arbeitsverpflichtung zu schwänzen.”

Zitat, Seite 11

Er lässt alles hinter sich. Seine Stadt, sein Land und sein bisheriges Leben. Er hat es satt, sich in den täglichen Wiederholungen seiner Gewohnheiten wiederzufinden und steigt in den Zug nach Süden. Im kalten Barcelona lässt er sich von seinem Bauchgefühl leiten und beschließt zum orangefarbensten Fleck auf der Wetterkarte weiterzuziehen: Cabo de Gata, einer Ortschaft im Südosten Andalusiens.

“Ungefähr auf halber Strecke am Wegrand, ein riesiges Schild, für dessen Übersetzung man eigentlich kein Wörterbuch braucht. Trotzdem schlage ich nach, weil ich nicht glaube, was ich da lese:

PARQUE NACIONAL CABO DE GATA – EL ULTIMO PARAISO DE EUROPA

Von jetzt an beginne ich die Minuten zu zählen, die bleiben, bis zum Paradies.”

Zitat, Seite 67

An der Mittelmeerküste angekommen findet er nichts vor, dass auf das scheinbare Paradies hindeutet: karge Landschaften, kalte Temperaturen und eigenbrötlerische Einwohner. Doch irgendwas hält ihn dennoch im tristen Fischerdörfchen; lässt ihn verharren, in der einsamen Pension einer alten Witwe.

Eines Tages begegnet ihm eine Katze. Eine Katze, in der er ein Zeichen sieht und die, so hofft er es, ihm eine Botschaft überbringt. Eine essentielle Botschaft, durch die sein Leben endlich eine Wendung nimmt.

“So gehe ich, mit gesenktem Blick, such den Boden ab. Muschelkalk knirscht unter meinen Füßen. Hin und wieder tauchen kleine Kieselfelder auf. Ich darf nicht stehen bleiben, seltsame Regel. Langsam gehen ist erlaubt. Ich schreite weiter, die Kiesel kratschen. Über mir schlagen die Möwen Alarm. Ich höre sie, sehe sie aber nicht. Mein Blick ist zu Boden gerichtet. Ich suche, suche … Wenn nicht, dann … Was dann? … Das Meer kichert. Es schwatzt. Das Meer atmet. Das Meer ist plötzlich still, einen Moment lang und noch einen … nur der Wind, der auf meinen Ohren herumorgelt – und dann ist es wieder da, das Meer. Meldet sich zurück, als hätte es mich hereingelegt: mit einem prustenden Lachen. ”

Zitat, Seite 142

Ich streiche sanft über den Buchdeckel und betrachte erneut das Cover. Ein schönes Cover, ein interessanter Titel, ja selbst ein interessanter Klappentext. Dinge, die mich zum Kauf des Buches bewegten und mich dennoch in die Irre geführt haben. Denn entweder wollte der Funke nicht überspringen oder ich habe den Moment des Entzündens verpasst. Herr Ruge lässt mich nach dem Lesen seines Romans “Cabo de Gata” irritiert und nachdenklich zurück, ja fast schon genervt, weil ich den Sinn dieser Geschichte nicht verstanden zu haben scheine.

Der Protagonist, dessen Name unbekannt bleibt, gelangt nach einer gescheiterten Beziehung und den eher kläglichen Versuchen als Schriftsteller Fuß zu fassen an einen Punkt in seinem Leben, der ihn zu einer radikalen Entscheidung treibt: alles hinter sich zu lassen. Er kündigt seine Wohnung in Berlin, verscherbelt seine Möbel und setzt sich mit kaum mehr Gepäck als einer Hängematte und ein paar Schreibheften in einen Zug Richtung Süden.

Von einem Bauchgefühl leitend lässt er sich im kalten und ungemütlichen Barcelona, seinem ersten Halt, ausgerechnet von einer Wetterkarte einer lokalen Zeitung ins scheinbar warme Cabo de Gata locken, dem Kap der Katzen – wie sich später herausstellt.

Obwohl der Ort an der Mittelmeerküste nicht annähernd das Paradies zu sein scheint, das er sich ausgemalt hat, beschließt er zu bleiben und findet sich schon nach kurzer Zeit in der Anhäufung kaum erwähnenswerter und täglich gleicher Verhaltensweisen wieder. Ein Aspekt, der seinem Leben nicht wirklich zu einem besseren verhilft.

Als er bei seinen täglichen Spaziergängen durch den Ort eines Tages einer rotgetigerten Katze mit grünen Augen begegnet, scheint ihm plötzlich alles daran zu liegen, sie zu seiner Wegbegleiterin zu machen. Denn er sieht in ihr ein Zeichen; vielmehr seine verstorbene Mutter, die ebenfalls rotgefärbte Haare und grüne Augen besaß und die ihm etwas mitteilen zu wollen scheint.

Die Katzenbotschaft, auch in Cabo de Gata nicht das zu finden, was er suche und vor allem es nicht während des bewussten Suchens zu finden, erscheint mir banal und kindlich. Soll das die große Botschaft des Autors sein? Benötigt Ruge tatsächlich eine über 203 Seiten lange Geschichte um zu dieser phänomenalen Einsicht zu gelangen? Ratlosigkeit macht sich breit.

Was ich dem Autor lassen muss, sind die liebevollen und lebendigen Zeilen von Naturschauspielen und die schrägen und durchaus amüsanten Schilderungen der Gedanken eines scheinbar rastlosen und in Cabo de Gata gestrandeten Mannes, die mich zumindest an der ein oder anderen Stelle gut unterhalten konnten. Was den Rest anbelangt muss ich passen. Ich vermute, dass ich es auch mithilfe mehrerer Anläufe nicht verstehen werde, was mir Eugen Ruge da eigentlich sagen wollte.

Sehnsucht..

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lesenslust über “Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert” von Trixi von Bülow

„Das Erste, was mir auffällt, ist, dass ich nichts denke.

Seit 365 Tagen denke ich ununterbrochen über mein Leben nach. Wie es ist, wie es war, wie es sein wird. Die Gedanken begleiten mich in den Schlaf, sie summen nachts an meinem Ohr, sie sind vor meinem Bett versammelt, noch ehe ich die Augen aufschlage.

Und nun sitze ich auf einer Düne an der Nordsee, meine Hände in den Sand gestützt, der Wind zupft an meinen Haaren, die Luft schmeckt nach Salz, mein Brustkorb weitet sich, ich atme aus. Das Meer liegt vor mir, ein silbriges weites Land, das kein Gestern und kein Morgen kennt – nur diesen einen Moment, der stärker ist als die Gedankenflut in meinem Kopf und dessen schimmerndes Bild eine wohltuende Leere auf meiner Netzhaut hinterlässt.

Ohne den Blick abzuwenden, sage ich: »Es ist so schön hier. Danke!«“

Zitat, Seite 5
Friederike Berger, kurz Fritzi, ist Ende dreißig, geschieden und alleinerziehend. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Lilli wohnt sie in Köln, wo sie als unscheinbare Lektorin für einen renommierten Buchverlag arbeitet. Eigentlich kann sie auf ein recht beschauliches Leben zurückblicken. Doch das Scheitern ihrer Ehe stimmt sie nachdenklich: ist ihr Leben unbemerkt auf das falsche Gleis geraten?

Wie eine Heldin kämpft sie sich fortan durch den Dschungel des Alltags. Sie jongliert Termine, versucht den Erwartungen von allen Seiten gerecht zu werden und verzweifelt ihr hoffnungslos überzogenes Konto wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ihre Tochter Lilli benötigt zudem ihre volle Aufmerksamkeit. Ein Fulltime-Job, der ihr alles abverlangt. Zunehmend wird ihr bewusst: das Leben ist kein Film und sie ist nicht Grace Kelly!

Auch Johanna, Fritzis Freundin, entgeht der sichtlich mitgenommene Zustand ihrer Freundin nicht, weshalb sie beschließt, mit ihr nach Bergen aan Zee, einem holländischen Ort an der Nordsee, zu fahren. Einem Ort, der Fritzi nicht nur neue Kraft schenken sondern auch so manches Abenteuer für sie bereithalten soll: ist Fritzi tatsächlich schon bereit dafür?

 

„Alles was wir tun, hat Konsequenzen, bewirkt oder verändert etwas.“

Zitat, Seite 238
Bereits nach wenigen Zeilen hat mich diese leise und nahezu unspektakuläre Geschichte verzaubert. Ich hörte das Rauschen von Wellen und schmeckte salzige Nordseeluft. Ich blickte gemeinsam mit Fritzi über das Meer; ließ mich treiben, von ihren Gedanken. Verstand ihre Sehnsucht, die mich Zeile um Zeile begleitete. Eine Sehnsucht, die wir alle in uns tragen. Die Sehnsucht nach Liebe und dass nach einer unglücklichen Phase im Leben endlich mal wieder was Schönes passiert.

Ganz oft sind wir auf der Suche nach dem “ganz großen Glück”. Wir streben nach immer Größerem obwohl es oft vielmehr die kleinen Dinge sind, die uns wirklich glücklich machen. Ganz unbemerkt liegen sie am Rande des Weges und aus Unachtsamkeit lassen wir sie liegen oder bemerken sie manchmal nicht mal.

Auch Fritzi meint, ihr Glück in einem neuen Mann zu finden. Fast schon verbissen hangelt sie sich von Kandidat zu Kandidat. Eigentlich sollte sie in ihrer Vergangenheit dazugelernt haben. Sein lassen kann sie es trotzdem nicht. Sie schaltet den Kopf aus und lässt sich vom Herzen treiben, benimmt sich wie ein Teenager, blickt durch die rosarote Brille. Bis sie eines Tages erwacht – ohne Brille.

Was mir an der Geschichte so gut gefallen hat, war die Authentizität. Trixi von Bülow erzählt eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Sie verzichtet auf große Effekte und erfreut sich vielmehr an den kleinen Dingen. Sie schenkt uns eine Botschaft: lebe dein Leben und zwar jeden Moment. Auch wenn die erste Hälfte des Buches sich mir persönlich etwas zu sehr auf Fritzis erste Begegnung konzentriert hat und der Schluss im Gegenzug viel zu schnell kam, konnte mir Trixi von Bülow mit ihrer Geschichte ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Mit ihrem Nachwort hat sie meine Seele berührt und mich schwer schlucken lassen.

Genau wie das Leben hält das Buch ein paar unerwartete Wendungen für uns bereit und verzaubert durch eine lebendige Sprache. Es bringt den Leser zum Schmunzeln und stimmt ihn zugleich nachdenklich. Aus diesem Grund bekommt dieses wunderbare Buch 4 von 5 einzigartigen Nordsee-Muscheln von Bergen aan Zee.
“Es gehört wohl zu den unerklärlichen Besonderheiten des Lebens, dass einem manchmal von völlig unerwarteter Seite Trost und Zuspruch zuteil wird. Und manchmal tut ein kleiner Abstand zu den Menschen, die einfach alles von einem wissen und ständig um einen herum sind, auch ganz gut, denn auf diese Weise lernt man die Dinge mit ein bisschen mehr Abstand zu betrachten.

Zitat, Seite 223/224

Glückstaxi…

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lesenslust über “Das Glück fährt Taxi” von Rosita Hoppe

~*Story*~

Carly ist jung, gutaussehend und erfolgreich. Mit dem Erbe ihrer verstorbenen Tante hat sie einen Laden mit exklusiver Kleidung namens “Boutique Carlotta” eröffnet, der bei den Anwohnern schnell Anklang gefunden hat. Jeden Mittwoch Abend trifft sie sich mit ihren Freundinnen Nadine und Jenni bei Luigi, ihrem Lieblingsitaliener in der “Pizzeria Roma”. Doch wirklich viel tut sich sonst in Carlys Privatleben nicht. Seit der schmerzhaften Trennung von Tom, der sie gnadenlos ausgenommen hat, ist sich Carly sicher, dass sie auch ohne Mann ganz gut klarkommt und distanziert sich aus Angst, wieder verletzt zu werden, von den Männern. Ihre Freundinnen wollen nicht tatenlos zusehen und stellen sie kurzerhand vor die Wahl: entweder sie nimmt das Ruder selbst in die Hand oder sie übernehmen es. Doch was sie alle nicht ahnen können, ist, dass das Schicksal durch einen Taxifahrer namens Philipp längst zugeschlagen hat…

 

~*Meine Meinung*~

Rosita Hoppes zweiter Roman “Das Glück fährt Taxi” ist eine kurze unterhaltsame Liebesgeschichte. Carly nimmt die Rolle der enttäuschten jungen Frau ein, die in der Vergangenheit leider nicht viel Glück mit Männern hatte. Als sie es am wenigsten erwartet, schlägt das Schicksal zu und der Taxifahrer Philipp düst in ihr Leben. Carly, die sich ihm gegenüber anfangs noch sehr skeptisch und zickig verhält, merkt schon bald, dass auch sie Gefallen an ihm findet. Es beginnt ein witziges und unterhaltsames Durcheinander, worin die beiden in ein Fettnäpfchen nach dem anderen treten und irgendwie nicht zueinander finden. Als ihr Exfreund Tom auftaucht, ist das ganze Chaos perfekt. Eine Wendung, die zum Schluss hin noch etwas Abwechslung in Hoppes Geschichte bringt. Generell ist die Handlung des Romans relativ vorhersehbar, auch wenn es der Autorin gelungen ist, sie durch erotische Fantasien und witzige Nuancen zu würzen. Manche Dialoge waren meines Erachtens etwas zu kitschig und erinnerten mich mehr an einen Rosamunde Pilcher als an einen der wenigen Liebesromane, die mich in der Vergangheit emotional mitreißen konnten. Auch wenn es mit leid tut, dass zu sagen, aber das scheint nun mal nicht jeder Autorin zu gelingen. Hoppes Stil las sich trotz alledem sehr flüssig und ich war innerhalb weniger Stunden am Ende des Buches angelangt. Ein Aspekt, der dem Roman zu 3 von 5 vorbeidüsenden Taxis verhilft.

Glücksbotschaften…

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lesenslust über “Denn das Glück ist eine Reise” von Caroline Vermalle

~*°..”Es waren die Stimmen seines Gartenstuhls, der Polsterauflagen und der Wettervorhersage, die Stimmen des Kräutertees und seiner Tomatenpflanzen, die Stimmen all dieser vertrauten Dinge und die des Hauses selbst. Sie sangen ihm die süße Melodie des Alltäglichen und stimmten den vertrauten Refrain von der Sinnlosigkeit von Veränderungen an…”..°*~

Georges, 83-jähriger Witwer, Vater einer überfürsorglichen Tochter und Gewohnheitstier tappt im Dunklen. Sein Leben ist an einem Punkt angelangt, an dem einfach alles still zu stehen scheint. Während die Lebensgeister ihm von den Ärzten bereits seit geraumer Zeit als quasi nicht mehr existent attestiert und seine Gebrechen dafür aufs Dramatischste hervorgehoben werden, ist der Spaß am Leben irgendwie unterwegs verloren gegangen.

Als er mit seinem langjährigen Freund & Nachbarn Charles die Flucht aus dem Alltagstrott plant, scheint sein Leben der Gefangenschaft in der Routine den Rücken zu kehren. Die gemeinsame Begeisterung der beiden Herren gilt einer heimlichen Reise. Ziel ist die Route der Tour de France von 2008: 21 Etappen, 3500 Kilometer. Und da die Herren schon etwas in die Jahre gekommen sind, soll die Reise natürlich nicht auf dem Fahrrad, sondern im nagelneu erstandenen Renault Scénic vonstattengehen.

Ihr Vorhaben droht jedoch zu scheitern als Adèle, Georges Enkeltocher, von ihrer verreisten Mutter zur Obhut des Großvaters beauftragt wird. Eine Aufgabe, die Adèle alles andere als begeistert, ihr als pflichtbewusste Tochter jedoch nachkommt. Als sie bemerkt, dass der liebe Opapa längst nicht mehr zuhause im Fernsehsessel sitzt sondern sich schon auf großer Entdeckungsreise befindet, bemerkt sie, wie wenig sie ihren Großvater kennt.
Trotz der Gewissensbisse ihrer Mutter gegenüber, trifft sie mit Georges eine Vereinbarung: Sie verrät ihrer Mutter nichts und Georges muss dafür jeden Tag ein Lebenszeichen per SMS schicken. Eine Mission, die sich für die beiden älteren Herren als eine der größten Herausforderungen ihres Lebens darstellt…

~*°..”Ihre Freundschaft atmete die Luft der großen, weiten Welt. Sie würden sehen, ob sie dieser Herausforderung gewachsen war.”..°*~

Was für eine ausgesprochen liebevoller Schatz, den mir die Website Blogg dein Buch.de und der Lübbe Verlag da gesponsert haben. An beide sei an dieser Stelle nochmal mein herzlichster Dank ausgesprochen. Vermalles Zeilen stimmten mich glücklich, sie schenkten mir Gefühle der Zufriedenheit als auch des Glücks. Allein das Cover des Romans wirkte auf mich wie eine Einladung zum Träumen. Ich sehe sie vor mir: die farbintensiven Lavendelfelder der Provence, ein dezenter Duft von Flieder steigt mir in die Nase, ein salziges Lüftchen zerstrubbelt mein Haar. Georges und Charles fahren vorbei, ich springe zu ihnen in ihren weißen Renault Scénic und fahre mit ihnen gemeinsam die Etappen der Tour de France von 2008 entlang. Ich strecke meine Hand aus dem Fenster und fühle den Fahrtwind an meinen Fingern entlanggleiten, Freiheit durchströmt mich, es scheint, als würde ich selber reisen…

Frankreich erschien mir noch nie so reizvoll, wie nach dem Lesen dieses Buches. Eine einmalige, schon weit über Jahre zurückliegende Reise nach Paris ließ mich damals zu dem Entschluss kommen, dass Frankreich einfach nicht mein Land ist. Ich konnte mich weder mit dem Land, noch den sehr eigenen Landesbewohnern anfreunden. Caroline Vermalle machte mir Lust auf mehr. Am liebsten wäre ich in diesem Moment schon in Chanteloup, dem Ausgangspunkt der beiden Reisenden, auf einer Bank sitzend, ein Glässchen guttemperierten Chardonnay vor mir, ein bisschen Käse und Weintrauben und mein Blick über die fliederfarbenen Lavendelfelder Frankreichs. Traumhaft…

Die Protagonisten werden von der Autorin sehr liebevoll dargestellt, sodass man sie schnell ins Herz schließt. Georges und Charles besitzen, warscheinlich gerade weil sie schon in die Jahre gekommen sind, einen unverwechselbaren Charme. Leicht schrullig, alltagsroutiniert, der Moderne gegenüber fremd und völlig überfordert. Eigenschaften, die bei mir schnell das Bedürfnis veranlassen, ihnen über den Kopf zu streicheln und in die Wange zu kneifen. Was habe ich geschmunzelt, als Georges vor der Herausforderung stand, seiner Enkelin eine Sms zu schreiben. Und als wär das noch nicht genug Herausforderung, es soll gleich noch in einer Sms-Sprache geschrieben sein, von der er bis dato noch nicht einmal wusste, dass sie existiert. Probleme, die der heutigen Generation wohl eher fremd sind.

Die Reise quer durch Frankreich wird von der ersten Seite an von der Entwicklung von Georges und Adéle geprägt. Die Beziehung, die anfangs eher einem dünnen Zweig gleicht wächst nach und nach zum starken Geäst heran. Die Freude aneinander wächst und trägt Früchte: Früchte von Fürsorge & Freundschaft. Plötzlich ist es kein Nebeneinander mehr, sondern vielmehr ein Miteinander. Das anfangs empfundene Desinteresse Adéles entwickelt sich während der Geschichte zu einer liebevollen Verbundenheit ihrem Opa gegenüber.
Auch die Freundschaft zwischen Georges und Charles, die sich in Chanteloup auf das mittagliche Miteinander beschränkt, wächst. Plötzlich ist da Zeit, um sich besser kennenzulernen. Der Blick in die gemeinsame Richtung verbindet und stärkt sie. Aspekte, die Vermalles Erstlingswerk so furchtbar schön und im gleichen Moment lehrreich machen. Sie regen zum Nachdenken an und lassen mich feststellen: Das Glück ist tatsächlich eine Reise…

Zum Bestellen des Buches, einfach hier klicken…

Kampf um die Idylle…

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lesenslust über “Ein Garten am Meer” von Bertina Henrichs

“Es gibt einen Moment, an dem man die Dinge noch beeinflussen, den Lauf der Welt verändern kann, da muss man alles geben. Dann aber kommt ein Moment, an dem man plötzlich weiß, dass es vorbei ist, dass das Schicksal gewonnen hat. Diesen Moment zu erkennen ist eine der großen Herausforderungen des Lebens”

~*Die Story*~

Das idyllische Dörfchen Plouerbec an der Atlantikküste der Bretagne. Ein Ort, geprägt von Naturschauspielen, ein Ort der Ruhe, ein Ort der Harmonie.

Viele der Bewohner leben hier bereits seit vielen Jahren, haben Plouerbec über die Jahre lieben und schätzen gelernt. Doch die Idylle des Dörfchen wagt durch das künftige Projekt des Bauunternehmens Résiplus zu zerplatzen. Denn die Häuser der Bewohner sollen einem Vergnügungspark weichen.

Die Bewohner, allen voran die Witwe Marthe Simmonet und der wortkarge Deutsche Hans Scharnbeck wollen das nicht zulassen und leisten Widerstand.

Eine Geste, die nicht ohne Folge bleiben soll…

~*Meine Meinung*~

Bertina Henrichs gelang es, eine iebevolle Geschichte voller Hoffnung zu erzählen. Ihre Zeilen lasen sich sehr gefühlvoll, teilweise sehr poetisch. Sie schaffte es, eine einfache Geschichte mit sehr viel Liebe zum Detail zu erzählen. Die einzelnen Charaktere der Geschichte schienen mir bereits nach kurzer Zeit vertraut und gewährten mir Einblicke in ihre Vergangenheit.

Marthe Simmonet begegnete mir anfangs als wohlerzogene konservative Dame. Durch jede Zeile wuchs sie mir mehr ans Herz und offenbarte mir ihr nachdenkliches Inneres. Während der Verlust ihres geliebten Mannes anfangs sehr stark zum Ausdruck kam sprühte sie bald schon voller Lebensgeister. Durch den gemeinsamen Widerstand mit der Nachbarschaft blühte sie auf, er schenkte ihrem Leben einen neuen Sinn.
Auch die Person des Hans Scharnbek gestaltete Henrichs sehr interessant. Während er anfangs noch den wortkargen und reservierten Deutschen gab, öffnete er sich Zeile um Zeile. Für den gemeinsamen Widerstand verabschiedete er sich für eine Weile vom Leben auf dem Wasser und zog in seine mittlerweile heruntergekommene Bude auf dem Festland zurück. Eine Geste, die von vielen Nachbarn bis zum Schluß in Frage gestellt wurde. Anfangs nicht vermutet, entpuppte er sich während des Widerstandes jedoch zum stärksten Kämpfer.

In der Mitte des Buches blätscherte das Geschehen etwas vor sich hin, dass ich befürchtete es würde ins Langweilige abtriften. Die Autorin rettete sich jedoch durch ein paar unvorhergesehene Entwicklungen und rundete die Geschichte durch ein offenes Ende perfekt ab.
Henrichs zeigt uns in ihrem Roman, wie ein gemeinsames Ziel die unterschiedlichsten Menschen verbinden kann. Daher bekommt ihre Geschichte von mir 4 von 5 Sternen!

Gefühlswelten…

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lesenslust über “Streusand” von Asta Scheib

~*Die Story~*

Schicksale.
Eine Sammlung von Geschichten.
Auszüge, aus dem Leben anderer Menschen.

Asta Scheib nimmt den Platz der Beobachterin ein und sieht die Dinge aus einem anderen Blickfeld.
Da sind zwei ungleiche Schwestern, die sich einen Mann zu teilen scheinen; eine Frau die in einer Streusandkiste lebt, weil sie sonst kein Zuhause hat; eine Frau, die dank eines Fischers wieder in ihr Leben zurückfindet; Menschen, die von Polizisten getriezt werden.

Asta Scheib erzählt uns liebevoll und auf sehr spezielle Weise die eigenwillige Welt von Menschen wie dir und mir.

~*Meine Meinung~*

Das Cover des Buches versprach so viel: während von ihm eine gewisse Magie ausging, es so liebevoll und verträumt wirkte, stellt sich mir der Inhalt ganz anders dar.

Die Autorin erzählt uns Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein können – sie handeln von Einsamkeit, Glück, Liebe, Trauer und Wut. Sie sind nicht besonders lang, stellen nur kleine Auszüge aus dem Leben anderer Menschen dar.
Manche sind derart konfus und banal, dass ich mich frage, was ich damit anfangen soll. Manche sind liebevolle und besondere Momente, dass ich gerne über ihre Seitenzahl hinaus weiterlesen möchte.
Ich frage mich tatsächlich an mancher Stelle, warum die Autorin sich entschieden hat, sie so abrupt enden zu lassen. Sicherlich, ist es eine Sammlung von Kurzgeschichten. Doch meiner Ansicht nimmt sie so den Geschichten einen Teil ihrer Magie weg, lässt sie unspektakulär und unausgereift wirken.
Asta Scheibs Schreibstil begegnet mir sehr speziell. Sie umschreibt die Dinge oft auf eine Weise, die mir fremd ist. Ich kann ihrer Geankenwelt nicht immer ganz folgen, verstehe oft nicht, was sie meint.

Die Autorin entdeckt durchaus Kleinigkeiten, die andere Menschen gar nicht zu bemerken scheinen. Man begegnet Zeilen, die voller Wärme, Zuversicht und Lebensklugheit sind. Doch wirken sie manchmal etwas zu trist, dann wiederum zu philosophisch.
Asta Scheib scheint in andere Rollen zu schlüpfen. Sie nimmt Besitz vom Körper anderer Menschen und scheint so in deren Gedankenwelt Einblick nehmen zu können. Dadurch verschafft sie sich eine gewisse Sensibilität für die Dinge. Eine Sensibilität, die allerdings noch nicht ganz ausgereift zu sein scheint.

Glücklich sein…

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lesenslust über ” Das Ticket zum Glück” von Brendon Burchard

“Es wird eine Zeit kommen, in der man glaubt, dass alles zu Ende ist. Das wird der Anfang sein.”
(Louis L´Amour)


Mary verschwindet. Für genau 40 Tage.

Danach findet man sie lebensgefährlich verletzt in der Nähe eines alten Vergnügungsparks namens “Bowman´s Park”. Auf der Intensivstation des Krankenhauses bittet sie ihren Verlobten ihr einen letzten Gefallen zu tun. Er soll dorthin zurückkehren – nach “Bowman´s Park”…nur dann würde es für sie beide eine Zukunft geben.

Marys Verlobter ist verwirrt, weiß nicht, wie er mit der Situation umgehen soll. Weiß sie was sie da sagt? Ist sie noch bei Verstand? Denn er weiß, Marys kleiner Bruder kam dort ums Leben. Doch er macht sich ihr zu Liebe auf den Weg, einen versiegelten Umschlag im Gepäck…denn den soll er dorthin bringen.

Als er das Eingangstor des stillgelegten Vergnügungspark passiert, erwacht er wie durch Zauberhand zum Leben. Er begegnet einem alten Mann namens Henry, seinem Begleiter durch den Park. Mit dem Gedanken, den Umschlag dort abzugeben und wieder zu gehen, wird ihm zunehmend klar, dass es um vielmehr geht als das…

Denn plötzlich stehen da nicht nur Marys Erlebnisse, sondern auch seine eigenen…die eine viel größere Rolle zu spielen scheinen, als er gedacht hätte…

Und er verschwindet. Für genau 40 Tage.

 

..*°Der Hintergrund dieser Geschichte°*..

Es gibt Autoren, denen es gelingt mit der Geschichte eines Buches Gefühle in Menschen hervorzurufen und sie in ihr tiefstes Innerstes blicken zu lassen. In einer so schnelllebigen Zeit wie heute gelingt es nicht jedem Menschen, die kleinen Momente des Glücks und der Liebe, welche das Leben letztendlich ausmachen, zu erkennen und zu genießen. Sie haben kaum Zeit, sich auf sie einzulassen. Sie leben nicht wirklich, sie funktionieren vielmehr. Das Leben rauscht an ihnen vorbei wie ein Schnellzug, ohne Halt, ohne die Möglichkeit ihn zu fassen zu bekommen.

Menschen werden tagtäglich von Schicksalsschlägen geprägt. Oft verändern sie das Leben eines Menschen für immer. Doch bleibt oft nicht die Zeit, sich auf sie einzulassen und sich mit ihnen auseinander zu setzen, mit ihnen abzuschließen. Man hat in einer Welt wie dieser oft das Gefühl, für andere stark sein zu müssen, obwohl man es nicht ist. Man verstellt sich, man passt sich an, man lebt nur noch dahin.Doch ist das richtig Was ist schon falsch und was ist richtig? Was will man wirklich oder denkt man zu wollen, weil andere es von einem erwarten?!

Mit diesen Fragestellungen nimmt Brendon Burchard uns auf eine Reise mit, eine spirituelle Reise, die uns über uns selbst, unser Leben und unsere Wünsche nachdenken lässt.

..°*Meine Meinung*°..

Bücher zur Selbstfindung gibt es wie Sand am Meer.

Ich muss zugeben, ich war nie ein Fan von solchen Büchern. Letztendlich steht in ihnen nichts, was man eh schon weiß. Zumindest meistens.Brendon Buchards “Das Ticket zum Glück” ist anders. Es ist keine Anleitung zum Glücklichsein. Es erzählt vielmehr eine Geschichte. Keine besonders spezielle Geschichte. Denn eigentlich ist sie einem nicht fremd, fast alltäglich.
Es ist eine Geschichte, die voll von Selbstzweifeln, Ängsten und voller Liebe ist. Mary und ihr Verlobter scheinen ein schönes Leben zu führen, doch beide sind geprägt von Schicksalsschlägen ihrer Vergangenheit. Und ohne es wirklich zu bemerken verschließen sie sich dem anderen, stehen sich nicht offen genug gegenüber, verschweigen sich Dinge, weil sie glauben, den anderen damit zu belasten.

Doch wie es sich herausstellt, ist das genau DAS, was ihnen im Weg steht.Brendon Burchard gelingt es, den Leser mitzureißen. Durch seine spirituelle Reise lässt er den Leser in sein Innerstes blicken und sich Gedanken über seine Wünsche und Vorstellungen vom Leben zu machen. Sein Schreibstil ist ehrlich und offen, schnörkellos und einfach zu lesen. Man fühlt schnell eine Verbindung zur Geschichte, kann sich mit dem Geschriebenen identifizieren. Die Geschichte berührte mich und hat mich zum Nachdenken gebracht. Eine wahre Bereicherung für den Alltag!

Schmetterlingsküsse…

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lesenslust über “Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen” von Francesc Miralles

Enjoy the little things,
for one day you may look back
and realize
they were the big things.

Robert Brault

.~°-°Samuel – Mitte Dreißig, Literaturdozent und Junggeselle. Etwas verschroben, liebenswürdig und EINSAM.°-°~.

Samuels Leben verläuft recht bescheiden ab. Er schlängelt sich durch eine Aneinanderreihung von tristen, alltagsroutierten Abläufen. Einzig und allein die Literatur, das Zeitgeschehen und die Musik lassen ihn neben der Vorbereitung auf seine Lesungen, der Korrektur von Arbeiten seiner Kursteilnehmer & dem regelmäßigen Hausputz am Leben erhalten.

Als ein neues Jahr beginnt und er annimmt, dass auch im neuen Jahr nichts Aufregenderes & Spannenderes auf ihn zukommen wird, als die vielen Jahre zuvor, beginnt sich ein kleines Wunder in seine Wohnung zu schleichen…

…das Wunder tapst auf vier Pfoten ziemlich überzeugt und graziös in seine Wohnung. Es ist eine kleine junge Katze. Er gibt ihr den Namen MISHIMA.
Mit der Anwesendheit von Mishima scheint sich das Schicksal in Samuels Wohnung eingenistet zu haben. Und ohne, dass er es direkt bemerkt, wandelt sich alles. Denn von nun an füllt sich sein Leben mit magischen, erlebnisreichen und einzigartigen Momenten.

Diese magischen Momente sind etwa das Erlebnis eines Satori(*) und die damit verbundene Erinnerung an einen Schmetterlingskuss(*) aus der Kindheit, den er von seiner Jugendliebe Gabriela bekommt; die Freundschaft zu seinem Nachbarn Titus, einem Lektor; das Kennenlernen einer Tierärztin namens Meritxell und die Begegnung mit dem eigenartigen und merkwürdig erscheinenden Valdemar, der sich ebenso wie er, gerne im Café über philosophische Fragen den Kopf zerbricht.

Und plötzlich befindet sich Samuel auf einer Reise. Einer Reise, bei der er die Liebe zu den kleinen Dingen zu schätzen lernt.

.~°-°Satori – Begriffsklärung°-°~.

Ein Satori ist ein magischer Moment. Eine Begegnung, bei der es jemanden erscheint, die Zeit stünde für einen Moment stillstehen und man sieht nur einen Menschen oder eine Sache klar, alles andere verschwimmt.

.~°-°Schmetterlingskuss – Begriffsklärung°-°~.

Samuel erlebte einen Schmetterlingskuss in seiner Kindheit. Gabriela kam mit ihrem Gesicht dabei ganz nahe an Samuel heran und ließ ihre Lider ein paarmal auf und ab flattern, ihre Wimpern streiften dabei seine Wange – es umgibt einem das Gefühl, von einem Schmetterling geküsst zu werden.

.~°-°Mein Fazit°-°~.

Ich fand diesen Roman traumhaft schön und einfach zum Seelebaumeln.

Francesc Miralles nimmt den Leser auf eine spirituelle Reise mit. Es scheint, dass er den Menschen klar machen will, dass man durch jedes Erlebnis in seinem Leben wachsen kann. Nichts passiert, ohne einen Grund. Eine kleine Veränderung hat viele weitere Veränderungen zur Folge. Glück ist nicht immer etwas Großes und Unereichbares, nachdem man sich die ganze Zeit zu sehnen scheint. Es ist vielmehr die Liebe zu den kleinen Dingen.

Freundschaft, Liebe, Hoffnung. Ein Lächeln, eine Umarmung, ein Schmetterlingskuss.

Francesc Miralles hat eine sehr leichte, angenehme Art des Schreibens. Sie flattert dahin wie ein Schmetterling und man lässt sich darauf ein, ihn ein kleines Stückchen zu begleiten.

Viele philosophische Fragen werden gestellt, verschiedene Weltanschauungen preisgegeben und der Bezug zur Poesie und zur Musik sind gegeben. Schade, dass dieses Buch nur 300 Seiten hat. Ich war gerade so schön am Flattern!!